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Hausrotschwanz

12.03.15

Meist noch bevor er entdeckt wird, macht der männliche Hausrotschwanz durch seine raue Ge-sangsstrophe auf sich aufmerksam. Sie beginnt mit einem trillernden Stakkato von ungeschliffe-nem, heiserem Klang, erstirbt im Mittelteil zu einem kratzigen Zischeln und endet als rasselnder Zwitscherlaut. In der Regel sitzt der Sänger auf einem exponierten Posten, wie einer Fernseh-antenne oder einem Dachfirst. Zwischen seinen Strophen knickst er immer wieder in den Fuß-gelenken und betont, was ihm seinen Namen eingebracht hat: Sein karottenrotes, am Hintersaum leicht eingekerbtes Schwänzchen zittert am orangegelben Steiß auf und nieder, von zuckfreudigen Bürzelmuskeln gewiegt.

Männchen und Weibchen des Hausrotschwanzes sind geschlechtsdimorph, das heißt sie unter-scheiden sich deutlich in ihrer Gefiederfärbung. Während das Männchen einen breiten schwarzen Brust- und Kehllatz zu schiefergrauem Rücken und lackweißen Makeln auf den Armdecken trägt, hält das Kleid des Weibchens eine mausfarbene Mitte zwischen Braun und Grau. In Größe und gedrungener Statur sehen die Rotschwänze ihrem entfernten Verwandten, dem Rotkehlchen, ähnlich, das wie sie zu den Erdsängern aus der Familie der Drosseln gehört.
Beiden Partnern gemeinsam ist das leuchtend rötliche Zitterschwänzchen, das der Art im Schwei-zer und alemannischen Alpenraum volkstümliche Namen eingebracht hat wie „Wackelarsch“, „Almbrantele“, „Rotzigeli“ (Rotschwänzchen) oder „Zagelmönch“ („Mönch mit Schwanz“, mittel-hochdeutsch: zagel).

Der Name lässt nicht sofort erkennen, woher der kleine Vogel kommt: Von den Gebirgen hat er sich an unsere Häuser gewöhnt, die nichts anderes für ihn sind als künstliche Nistfelsen. An den sonnenerwärmten Wänden, auf den Dachschrägen, auf kurzhalmigen Rasenflächen, Ruderal-böden oder Asphalt jagt er nach kleinen Insekten – also in einer vegetationsarmen Umgebung, wie sie auch dem Alpenraum oberhalb der Baumgrenze entspricht. Der Ornithologe Armin Landmann hat herausgefunden, dass der Hausrotschwanz trotz seiner scheinbar so plastischen Anpassung an den menschlichen Lebensraum seine Habitat-Vorlieben nicht aufgegeben hat. Die Zeit wäre für evolutionäre Änderungen auch zu kurz gewesen.

Ein eigentlicher Höhlenbrüter ist der Hausrotschwanz nicht. Kehrt der Zugvogel Anfang März aus dem Winterquartier im Mittelmeer-raum zurück, sucht er seinen Nistplatz an halboffenen, meist schwer zugänglichen Stellen, wie Giebel- und Pfettenbalken oder Mauervorsprünge. Nester wurden schon an den verschiedensten Orten entdeckt: Einmal beobachtete ich ein fütterndes Rot-schwanzweibchen an einem Nest, das auf der Rollschiene eines Scheunentores lag. Als sparrig, aber solide geflochtener Napf mit einer Innenschale aus feineren Grashalmen, Federn, Moos und Wolle passt sich das Nest meist solchen baulichen Strukturen an, die einen Halt von der Flächen-größe des Nestbodens und eine vertikale Abstützung von mindestens einer Seite bieten.